Ruhrnachrichten, 28. April 1997
„Die Schöpfung“ in der Universität
Musikverein bereitet genussvollen Abend
Witten - (bol) „Stimmt an die Saiten, ergreift die Laier“ - so donnerte es am Samstagabend durch die große Halle der Universität an der Alfred-Herrhausen Straße. Der Wittener Musikverein nutzte die dortigen exzellenten akustischen Verhältnisse, um mit Solisten und Instrumentalisten Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ aufzuführen.
Unter der Stabführung von Heinrich Karl Klein bereiteten die Musiker den zahlreichen Zuhörern einen gut zweistündigen Musikgenuss. Das vom heutigen Standpunkt inhaltlich etwas naiv anmutende Werk des Wiener Klassikers kam ansprechend rüber. Dabei verdiente sich der vom gleichnamigen Ensemble aus Arnsberg verstärkte Chor viele Lorbeeren. Hurtige, fugierte Passagen klangen sicher und im Sopran wurden schwindelnde Höhen beinahe mühelos erreicht. Besonders eindrucksvoll klang das kontrastreiche, auf den Punkt genau gesungene „und es ward Licht“ aus dem Anfangsteil.
Aus dem Solistentrio mit Dorothee Fries, Sopran, Joachim Duske, Tenor und Klaus Bülow, Bass ragte die schlank und in intonationsrein musizierende Sängerin heraus. Eine Meisterleistung stellte die kräfteraubende Arie „Auf starkem Fittiche“ zu Beginn des zweiten Teiles dar. Die beiden Herren gefielen durch einfühlsamen Gesang bei Ensembles. Die Interpretation Heinrich Karl Kleins arbeitete besonders die auffällig plastisch zeichnenden lautmalenden Passagen heraus. Hier gab es die eine oder andere Unsicherheit im Bereich der holz und blechblasenden Zunft. Auch die Streicher hatten einige rhythmische Probleme. Den guten Gesamteindruck des Haydn-Oratoriums konnten diese Macken allerdings nicht schmälern.