Musikverein Witten eV

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Presse 1998

Presse

Ruhrnachrichten, Dienstag 17. März 1998

Bei Musical-Abend sprang der berühmte Funke über

Publikum bedankte sich mit Beifallsstürmen für "Candide"

Innenstadt (hol) - Die Beifallsstürme wollten einfach nicht abreißen: Das Publikum im beinahe ausverkauften Karl-Hoffmann-Saal zeigte deutlich, dass ihm die Darbietung von Leonnard Bernsteins Musical "Candide" nach einer Molière-Novelle  gefallen hatte.

Recht hatten die Besucher - die Uraufführung der konzertanten Fassung unter Chordirektor Hermann Kruse wurde zum Erlebnis. Zum einen boten die Ausführenden eine anerkennenswerte Leistung, zum anderen sprang auch der berühmte „Funke"  über und attestierte ihnen ein gewisses Charisma.
Da war zunächst der große Chor, bestehend aus dem Wittener Musikverein und dem Konzertchor am Ruhrgymnasium. Durch zwei weitere Chöre aus der Umgebung verstärkt ließen die gut geschulten Damen und Herren durchblicken, wie viel Arbeit in  der Vorbereitung einer solchen Aufführung steckt.
Die rund 150 Sänger agierten mühelos und souverän. Auch in solch großer Besetzung blieb man ausgesprochen beweglich. Dies musste "Lennie" Bernsteins gefürchteten rhythmischen Eskapaden zugute kommen, die dadurch noch an Spritzigkeit gewannen.  Viel Lorbeeren verdiente sich ein leistungsstarkes Solistenensemble. Wenn der junge Candide-Darsteller Daniel Gundermann von der Kraft her sicher noch zulegen kann, gefiel er doch durch helle Tenorfärbung und lupenreine Intonation. Seine Partnerin  Cunegonde - von Sopranistin Jeannette Ender gesungen - überzeugte bei wie gemeißelt vorgetragenen Coloraturen. Die Wittenerin Dagmar Linde (Alt) überzeugte u.a. durch ihr warmes Timbre.
Schwierige Aufgabe
Weiterhin zeigten sich Tenor Thomas W. Kuckler und Bassist Gerhard Pauli von solider Seite. Die inhaltliche Aussage einer konzertanten Aufführung eines Bühnenstückes rüber zu bekommen, das ist eine schwierige Aufgabe. Dass dies weitgehend  gelang, dafür war ebenfalls ein Wittener verantwortlich: Ernst Schwab hatte mit seiner Molière-Perücke schon gewonnen, als er das Podium betrat.
Ausgeprägte Musik
Großes leisten die Musiker des "Philharmonischen Orchesters Südwestfalen". Wie für Bernsteins Bühnenwerke nicht verwunderlich, kam es dabei nicht zuletzt auf die gute Leistung der "blechblasenden Zunft" und der "schlagenden Verbindung"  an, die konzentriert zu Werke gingen und ihre Freude an dem Opus der Amerikaners hatten.

 

Ruhrnachrichten, November 1998

Rarität: Einzig erhältliche Aufnahme von Jephte

Musikverein jetzt auch auf CD „live“ zu hören

Witten (bol) - Der Musikverist seit einiger Zeit auch auf Tonträger zu hören! Dabei stellt die Live-Aufzeichnung des Konzertes vom 16. November 1998 eine echte Rarität dar!

Das frühbarocke Oratorium „Jephte“ von Giacomo Carissimi wird nicht nur selten aufführt. Es scheint sich bei der Produktion des Chores unter Thomas Sander wohl um die zur Zeit einzige Aufnahme zu handeln, die überhaupt zu bekommen  ist. Neben dem Oratorium in laSprache sind drei „Begräbnisgesänge“ von Johann Rosenmüller und die instrumentale Sonata im g-moll von Muffat aufgenommen.
Wie schon bei dem ansprechenden Konzert kann man beim Hören der CD schnell feststellen, dass Dirigent Thomas Sander sich auf dem Sektor der „Alten Musik“ bestens auskennt. Deren Musizierpraxis ist es, von der insbesondere das Carissimi-Opus  lebt. Und der Musikverein präsentiert sich dabei in guter Verfassung und glänzt durch exzellente Gestaltung.
Als Solisten sind Christiane Zywietz-Godland (Sopran), Sybille Specht (Alt), Volker Thies (Tenor) und Arndt Winkelmann (Bass) zu hören. Das Quartett lässt dabei viel von der bereits im 17. Jahrhundert blühenden Vokalkultur in Italien durchblicken.

 

Ruhrnachrichten, November 1998

Es müssen nicht immer „Evergreens“ sein:
Sander überrascht in Annen mit unverbrauchten Klängen

(bol) - Die hohe Kunst barocker Vokal- und Instrumentalmusik erlebten die Besucher des Konzertes am Abend des Buß- und Bettages in der Annener St. Joseph-Kirche.

Optisch und akustisch lieferte das schöne Gotteshaus den adäquaten Rahmen zu der Stunde, zu welcher der Wittener Musikverein eingeladen hatte. Und der trat hier ein erstes Mal unter seinem neuen Leiter Thomas Sander an die Ruhrstädter Öffentlichkeit.  Sander lieferte mit dieser Premiere den Beweis, dass es nicht immer die „Evergreens“ der Musikliteratur sein müssen, die ein ansprechendes Konzert ausmachen. Vor gut besetztem Raum führte er mit den „Begräbnisgesängen"  von Johann Rosenmüller und dem Oratorium „Jephte“ von Giacomo Carissimi zwei frühbarocke Opera auf, die der Musikfreund (leider) nur selten zu hören bekommt.
Mit diesen relativ unverbrauchten Klängen präsentierte sich der Wittener Konzertchor in prächtiger Verfassung. Unterstützt von der vorzüglichen Akustik des Kirchenraumes zeugten bereits die drei Rosenmüller-Lieder von guter vokalpädagogischer  Führung: Auch in den hintersten Kirchenbänken konnte man die dynamische Gestaltung vernehmen und den Text verstehen.
Blitzsaubere Intonation
Wie diese Kompositionen lebte auch das Carissimi-Oratorium „Jephte“ von lebendiger Gestaltung. Da fiel nicht nur die blitzsaubere Intonation auf. Nein, mit Thomas Sander schien auch ein musikalischer Leiter am Werke zu sein, der sich  mit Alter Musik und deren Musizierpraxis bestens auskennt.
Letzteres konnte auch von einem noblen Solistenquartett behauptet werden. Christiane Zywietz-Godland (Sopran), Sybille Specht (Alt) und Arndt Winkelmann (Baß) ließen viel von der bereits im 17. Jahrhundert blühenden hohen Vokalkultur Italiens  durchblicken. Der erst vor Wochenfrist eingesprungene Hagener Tenor Volker Thies lieferte mit der virtuosen Partie des Jephte eine tadellose Leistung ab.
Musiker glänzten
Die Krönung des Konzertes stellten die Instrumentalisten des Ensembles des „Neuen Rheinischen Kammerorchesters Köln“ dar. Sie glänzten nicht nur im Rahmen der Begleitung der genannten Chorwerke. Georg Muffats Sonata g-moll gab  den Musikern aus der Domstadt viel Gelegenheit, ihr technisch perfektes, kunstvolles Spiel darzulegen. Mit barocken Spieltechniken servierten auch sie aufführungspraktisch stimmige Interpretationen.

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