Musikverein Witten eV

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Presse 2003

Presse

WAZ Nummer 29 Dienstag 04. Februar 2003

Konzert versprüht barocke Lebensfreude

Musikverein meisterte Aufgaben mit Bravour - Hindemiths Kantate war Höhepunkt des Abends

Von Konstanze Führlbeck
„Auf, lern singen“ war das Motto des Konzerts des Musikvereins unter der Leitung von Thomas Sander am Samstagabend in der WerkStadt.

Barocke Daseinsfreude und Lebensbejahung prägten ein Programm, das sowohl Werke von Johann Sebastian Bach (1685-1750) als auch von Paul Hindemith (1895-1963), dem Hindemth-Schüler Harald Genzmer und dem Genzmer-Schüler Johannes Hömberg umfasste.
Die musikalische Zeitreise begann im 21. Jahrhundert mit fünf Liedern nach Valentin Rathgebers barocker Textsammlung „Ohrenvergnügende(s) und gemüthsergötzende(s) Tafelkonfekt“, die der Kölner Professor Johannes Hömberg  neu vertont hat. Hömberg komponierte diese Tafellieder in Anlehnung an barocke Kompositionsprinzipien wie Fortspinnungsmotivik und ostinate Begleitfiguren, denen Stilelemente aus der barocken Rhetorik authentischen Charakter geben. Neoklassizistische  Anleihen finden sich in der Strophenform der Lieder. Sanders ausgewogenes und formbewusstes Dirigat hob die Leichtigkeit und Transparenz dieser Lieder hervor wie Dorothee Fries` helltimbrierter Lyrischer Sopran.
Auch Harald Genzmers in neoklassizistischer viersätziger Form gestaltete Sinfonietta von 1956, die sich durch eine bildlich-assoziative Klangsprache auszeichnet, weist barocke Stilelemente auf. Ostinate Bassfiguren strukturieren das von der Zentraltonalität  geprägte, eher dunkel kolorierte Werk, in dem der Einzelton den Bezugspunkt zum ganzen Klanggebilde darstellt. Bachs Kantate „Weichet nur, betrübte Schatten“ beendete den ersten Teil des Konzerts.
Höhepunkt des Abends war Paul Hindemiths Kantate „Mahnung an die Jugend, sich der Musik zu befleißigen“, 1932 anlässlich des Plöner Musiktages nach Texten von Martin Agricola für das dortige Gymnasium komponiert. Einem höfisch-gemessenen  Marsch folgen vier Chöre, deren letzter die drei vorhergehenden kanonartig, mit den Orchesterfiguren zu einem äußerst dichten, ornamentalen polyphonen Klanggewebe zusammengeführt - eine Herausforderung, die Dirigent und Moderator Thomas Sander  und der Musikverein mit Bravour meisterten.
Nach Arie und Kanon rezitierte Ekkehard Otto im Melodram die Geschichte des Mannes, der Dank seiner Harfenmusik von einem Wal vor seinen Feinden gerettet wird. Mit dem Schlusschor der Kantate beendeten Sander und der Musikverein vor einem begeisterten  Publikum ihr Konzert.

 

WAZ Freitag 15. Februar 2003

Musikverein gibt Chorkonzert in Dresden

Zu einem Chorkonzert nach Dresden fuhr der Musikverein Witten, um im Plenarsaal des Rathauses noch einmal die Hindemith-Kantate "Mahnung an die Jugend, sich der Musik zu befleißigen" zu Gehör zu bringen. Chorleiter Thomas Sander nimmt gerade an  einem Studiengang Kulturmanagement in Dresden teil und wollte die Kantate als Ergebnis eines Workshops den dortigen Mitstudierenden vorstellen. Außerdem dabei war das Instrumental-Ensemble M2000.

 

WAZ Nummer 238 Dienstag 14. Oktober 2003

Musikverein schafft durchsichtiges Klangbild

Händels Oratorium "Judas Maccabäus" aufgeführt

Von Markus Bruderreck

"Klagt, Söhne Judas, klagt um Zions Leid" singt das jüdische Volk zu Beginn von Händels Oratorium "Judas Maccabäus". Der Chor nimmt in diesem Werk eine bedeutende Position ein. Und am Sonntagabend war es der Musikverein, der diese Rolle souverän  ausfüllte.
In der Kreuzkirche widmeten sich die Sängerinnen und Sänger unter Leitung von Thomas Sander Händels großem, dreiteiligen Oratorium.
Das 1747 in London uraufgeführte Stück gehört zu den beliebtesten Chorwerken Händels und schildert den Freiheitskampf des jüdischen Volkes, wie ihn die BIbel und der Bericht des Geschichtsschreibers Flavius Josephus beschreiben. Den Israeliten  wird nach dem Tod ihres Anführers Matathias von Gott ein neuer König geschenkt: Judas Maccabäus. Mit seinem Volk, dass ihn feiert, zieht er siegreich in die Schlachten und vermag am Ende Frieden zu stiften. Diese Huldigung war natürlich auf  einen ganz anderen Herrscher gemünzt, den Händel verehrte: den Duke of Cumberland. Er kämpfte 1746 erfolgreich gegen die Schotten.Händels Oratorium enthält viel wunderbare Musik. Schön, dass der engagierte Musikverein zusammen mit dem  jungen "Orchester M 2000" hier ein angenehmes, durchsichtiges Klangbild schafft. Eigentlich benötigt man für "Judas Maccabäus" acht Solisten. Wenn man die Sänger jedoch auslasten und Geld sparen möchte, muss man mehrfach besetzen, wie in  der Kreuzkirche geschehen. Das Solistenensemble hinterließ ein recht positiven Eindruck. Allen voran steht hier der junge Tenor Mirko Roschkowski.
Zwar verfügt er nicht immer über die nötige Höhe für seine Partie. Und wie auch der Sopranistin Christine Alexander fehlt es ihm stellenweise an dem letzten Quentchen Sicherheit. Roschkowski macht das allerdings durch sein klares und zugleich  weiches Timbre wieder wett: Eine schöne Stimme. Das Sängerquartett komplettieren Yoo-Chang Nah mit schlichetm und zuverlässigem Bass sowie Dagmar Linde, die in den Alt-Partien feinsinnig und souverän Details gestaltet. Am Ende gab es viel  Beifall für Solisten, Chor und Orchester. Und natürlich für Dirigent Thomas Sander, der alle Beteiligten mit viel Engagement und Können durch die Schönheiten und Schwierigkeiten dieses Werkes führte.

 

RN Dienstag, 14.Oktober 2003

Händel-Oratorium beeindruckte

Chor des Wittener Musikvereins und Orchester M 2000 bildeten einheitlichen Klangkörper

Mit Georg Friedrich Händels Oratorium "Judas Maccabäus" gab Thomas Sander, Leiter des Musikvereins Witten und Orchester M 2000, jetzt eine beeindruckende Vorstellung in der Evangelisch-lutherischen Kreuzkirche.
Das Werk Händels, komponiert für Soli, Chor und Orchester, erzählt den unablässigen Sieg Israels über seine Feinde, der sich auf den alttestamentarischen Glauben an Gottes Beistand und das Recht auf der eigenen Seite gründet. Ein historischer  Stoff mit tagespolitischer Aktualität, wie Pfarrer Schorling in seiner kurzen Begrüßung hervorhob. Die Hauptquelle für das Libretto sind die zwei Bücher der Makkabäer in den Apogryphen, die über den religiösen und politischen Freiheitskampf  der Juden berichten.
In Händels Vertonung ist die Atmosphäre des Theaters deutlich zu spüren. Eine wichtige Rolle spielt der Chor, der die Gefühle des Hörers teilt. Händel setzt den Chor als Repräsentanten des jüdischen Volkes ein. Das Volk ist der  eigentliche Held des Geschehens, sein Kampf um Freiheit und der endliche Sieg stehen im Mittelpunkt. Subjektive Empfindungen treten gegenüber dem Gesamtempfinden zurück.Überraschend für das Publikum war sicherlich im dritten Teil des Oratoriums  nach wenigen Takten des Chores für den zurückkehrenden Helden Judas Maccabäus ("Seht, er kommt, mit Preis gekrönt, fei`rt Posaunen den Empfang!") das bekannte Weihnachtslied "Tochter Zion" wiederzuerkennen. Diese bekannte Melodie Händels  legt er dem Volk in verschiedenen Varianten in den Mund.
Überzeugend ausdrucksstark und zu keiner Minute farblos wirkte der Chor des Wittener Musikvereins. Thomas Sander schaffte es, dass auch die Innenstimmen nicht gegenüber dem sehr dominanten Sopran an Wirkkraft verloren. Beeindruckend ebenso die Solisten,  konsequent auf vier mustergültige Stimmen komprimiert, wo man sonst sechs erwartet. Gerne hört man den differenziert auf die Rollen des Judas und Simon Maccabäus wie der beiden Israelitinnen eingehenden und in bester technischer Verfassung agierenden  Stimmen von Christine Alexander (Sopran), Dagmar Linde (Alt), Mirko Roschkowski (Tenor) und Yoo-Chang Nah (Bass) zu.
Gut in Form auch das Kammer-Ensemble M 2000, dass gekonnt zwischen Chor und Soli vermittelte und der ganzen Aufführung soliden Rückhalt gab. Lang anhaltender Applaus belohnte die Akteure.

 

Susanne Slobodzian
RN 08.01.2007

Musikverein entführt nach Frankreich

INNENSTADT Weihnachtliche Musik im französischen Stil stand auf dem Programm des Wittener Musikvereins am Samstagabend in der Johanniskirche. Der Wittener Chor hatte sich mit der Kantorei Herdecke verstärkt, so dass die stattliche Anzahl von rund  70 Sängern für Klangfülle sorgte. Komplettiert wurde das Ensemble durch ein Solistenquintett. Mitglieder der Bochumer Symphoniker übernahmen den Orchesterpart.
Zu Beginn stand die "Messe brève Nr. 7 C-Dur" von Charles Gounod auf dem Programm. Leise und romantisch erklang das Kyrie, erhaben das Gloria mit den Solisten Martin Bastian (Tenor) und Gerrit Miehlke (Bass). Im Sanctus entfaltete der Chor zum ersten  Male seine volle Klangfülle und überzeugte mit ausgewogener Stimmführung und homogenem Klang. Weihevoll klang das Werk mit dem Agnus Dei aus. Das Orchester begleitete präzise mit sauberer Intonation, war aber bei den Pianostellen oft etwas  zu laut.

Leistungssteigerung
Der Chor wird von Hermann Kruse geleitet und hat seitdem eine bemerkenswerte Leistungssteigerung erfahren. Zurückhaltend sein Dirigat, dafür sehr effektvoll. Die Sänger und Musiker folgtem ihn willig und wurden so zu einer eindrucksvollen musikalischen  Leistung geführt.
Die "Aria in classic style" von Marcel Grandjany ist für Harfe und Streicher komponiert. Den Solopart hatte die Harfenistin Uta Deilmann übernommen und begann das Stück auch gleich mit einem großem Solo. Es folgte das "Ave Maria" von Gabriel  Fauré für Sopran, Alt, Harfe und Orgel. Die Solistinnen Bettina Lecking (Sopran) und Elke Lingemann (Alt) begeisterten das Publikum mit ihrem ausgewogenen Gesang. Leider war die elektronische Orgel - gespielt von Christian Zatrüp- zu laut und  deckte den romantischen Klang der Harfe weitgehend zu. Hier hätte man sich ein konventionelles Orgelpositiv mit Pfeifen gewünscht und eine etwas sensiblere Registrierung.

Erinnerung an Flamenco
Ihr großes Können als Harfenistin zeigte Uta Deilmann mit dem "Chanson de la nuit" von Carlos Salzedo (1885 - 1961). Diese eher spanisch angesiedelte Musik erinnert sehr an den Flamenco. Rhythmisch angelegt, mit kristallenen Kaskaden, teils im Glissando,  dazu das Klopfen der Tanzrhythmen auf dem Instrumentenkörper - alle Möglichkeiten dieses Instrumentes wurden voll ausgeschöpft.
Den Abschluss bildete das "Weihnachtsoratorium" von Camille Saint-Saens. Das Solistenquartett wurde ergänzt durch Sigrid Kruse (Mezzosopran), die sich harmonisch in die teils mehrstimmigen Sologesänge einfügte. Lediglich Martin Bastian (Tenor)  fiel durch krankheitsbedingte Indisposition etwas ab, was aber den Gesamteindruck kaum schmälerte.
Beim Schlussgesang waren alle Beteiligten vereint und lassen dieses romantische Werk mit einem Halleluja ausklingen. Die Zuhörer in der gut besuchten Johanniskirche sparten nicht mit Beifall. - Peter Tölke

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