Musikverein Witten eV

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Presse 2004

Presse

Foto: RN 17.05.2004

RN Nr. 115 Montag, 17. Mai 2004

Zauber der Klassik zog vorbei
Musikverein Witten gab prachtvolles Konzert anlässlich des 140-jährigen Bestehens

Oliver Daschkey
In einer Zeit, in der sich immer mehr Chöre auf Grund von Mitgliederschwund aus dem kulturellen Leben des Landes verabschieden müssen, kann sich Witten glücklich schätzen, das es mit seinem Musikverein einen wohlklingenden Klangkörper besitzt.

Ein Ensemble, das sich vom Barock bis zur Moderne, von der Romantik bis zum Jazz, von der Wiener Klassik bis zum Rokoko in allen Stilen und Musikrichtungen  zu Hause fühlt. Am Samstag feierte der Chor in den Räumen der Uni sein 140-jähriges  Bestehen mit einem Festakt.
Was im Jahre 1864 als "Musikalisches Kränzchen" begann, hat sich im Laufe dieser Zeit zu einem äußerst ambitionierten musikalischen Leistungsträger entwickelt, der sich stets um eine ausgewogene und interessante
Prograrmmgestaltung bemüht hat, wie Prof. Heinrich Schoppmeyer vom "Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark" in seiner Festrede zu berichten wusste. Beim anschließenden Jubiläumskonzert konnten sich davon auch die Zuhörer   überzeugen.
Selten hört man einen gemischten Chor, der ein klanglich so perfekt ausgewogenes Verhältnis zwischen Frauen und Männerstimmen aufweist und der so kraftvoll und doch gefühlsbetont deklamiert. Diese Fähigkeiten ermöglichen es dem Musikverein,   auch musikalisch komplexe Werke zu interpretieren. Begleitet wurde das Ensemble an seinem Jubiläumstag von der "Capella a piacere", einem kleinen Orchester, das sich eigens aus Anlass des Festkonzertes zusammengeschlossen hatte. Unter der Gesamtleitung   von Thomas Sander, dem Dirigenten des Musikvereins, wagten sich die Sänger an Chöre aus allen Epochen der Musikgeschichte,
Sowohl Bekanntes und Beliebtes, wie beispielsweise " Abends will ich schlafen gehen" aus Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel" oder "Treulich geführt" aus Wagners "Lohengrin", als auch weniger häufig aufgeführte Chorwerke erfüllten   bald den Raum. Musikalischer Höhöpunkt war dabei die Krönungsszene aus Mussorgskys "Boris Godunow". Mit kraftvoller Eleganz schwangen sich die Stimmen unter dem einfühlsamen Dirigat Sanders zu Höchstleistungen empor. Flankiert wurden Sängerinnen   und Sänger von dem wunderbar ausdrucksstarken Bass Yoo-Chang Nah. Der junge Solist begeisterte durch seine klaren Höhen und seine warmen und wohlgeformten Tiefen.Eine wirklich zauberhafte Ergänzung.
Besonders stolz zeigte sich der Musikverein, dass alle dargebotenen Chorwerke in der Originalsprache der Uraufführung gesungen werden konnten. Französisch in Glucks "Iphigenie in Aulis, Englisch in Gershwins "Porgy and Bess" oder italienisch in   Mozarts "Tito".So zog der ganze Zauber der Klassik am Publikum vorbei. Getreu dem Motto des großen Musikers Yehudi Menuhin: "Singen ist die natürliche Muttersprache des Menschen."

 

17.05.2004 / LOKALAUSGABE / WITTEN

Chor startete vor 140 Jahren als "Kränzchen"

Musikverein gab großes Festkonzert

Von Konstanze Führlbeck
Mit einem Festkonzert aus der bunten Welt der Oper feierte der Musikverein unter Leitung vonThomas Sander am Samstag in der Universitätsein 140-jähriges Bestehen.

"Singen ist eine Brücke zwischen den Menschen, ein Mittel, sich mit Kreativität in die Welt einzubringen". Mit diesen Worten begrüßte Michaele Bartel die zahlreich erschienenen Gäste. Die Vorsitzende des Musikvereins dankte u.a. dem Kulturforum,  Mitgliedern der Universität und der Werner Richard-Dr. Carl-Dörken-Stiftung für ihre Unterstützung. Auch Vize-BürgermeisterinLieselotte Dannert würdigte die Vielseitigkeit der Arbeit des Musikvereins.
Heinrich Schoppmeyer vom Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark skizzierte anschaulich die Geschichte des "Musikalischen Kränzchens", das sich 1883 erstmalig Musikverein nannte, und betonte die Kontinuität seines Wirkens. Neben  der Pflege des klassischen und roman-tischen Repertoires standen in den letzten 25 Jahren verstärkt geistliche Chor-werke auf dem Spielplan.
Das Festkonzert allerdings führte mit Werken von Henry Purcell, Gluck und Mozart, Wagner und Humperdinck bis zu Modest, Mussorgsky, Kurt Weill und Gaetano Donizetti in einem repräsentativen Querschnitt durch die Welt der Oper vom Barock bis zum  20. Jahrhundert - ein Programm, das Dirigent Thomas Sander mit dem stilistischen Facettenreichtum dieser Gattung begründet.
Mit transparentem Chorklang und sicheren Tempi begeistert der Chor in Purcells "Fairy Queen", begleitet von der Cappella a piacere und der Pianistin Nina Aristova, deren differenziertes Spiel und gute Phrasierungen die barocktypische Fortspinnungsmotorik  und Terrassendynamik lebendig werden lassen. Blue notes und swingenden Off-Beat präsentieren die Musiker in "Oh, I can't sit down" aus Gershwins "Porgy and Bess" unter dem formbewussten Dirigat von Thomas Sander.
Dunkles Klangtimbre zu schwebenden Streicherklängen steuert der Bassist Yoo-Chang Nah in dem feierlichen "O Isis und Osiris"-Chor aus Mozarts "Zauberflöte" bei. Mit träumerisch-vagierenden Harmonien und silbern schwebendem Chorklang verzaubern  die Klagechöre aus Rameaus "Castor et Pollux". Atmosphärische Klangdichte bei sicheren Tempi zeichnet den "Abendsegen" aus Humperdincks "Hänsel und Gretel" aus. Harsch und rüde gestaltet der Chor die brutale Gleichgültigkeit in Weills "Aufstieg  und Fallder Stadt Mahagonny".
Höhepunkt war der Krönungschor aus Mussorgskys "Boris Godunow": Ausdrucksstark und stilsicher konturiert der Chor in subtilsten artikulatorischen Nuancen diese machtvolle Krönungszeremonie. Das Publikum bedankte sich mit tosendem Applaus.

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