Musikverein Witten eV

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Presse 2005

Presse

RN 10.01.2005
"Akzente gesetzt"


Ruhrnachrichten, 10. Januar 2005
Akzente gesetzt

INNENSTADT In die beeindruckend große Gruppe der Wohltäter für die Opfer der Flutkatastrophe in Südost-Asien reihten sich am Samstagabend auch die Sänger des Musikvereins Witten mit dem Betrag von 1400 Euro ein.

Kurzfristig stellte der Vorstand die Einkünfte des Konzertes am Sonntagabend in der Kreuzkirche an der Lutherstraße den Menschen der Krisenregion zur Verfügung. Wie der neue Chorleiter Hermann Kruse in seiner Einführung unterstrich, wollte  man mit dieser "Weihnachtlichen Musik aus Barock und Klassik" ein weiteres Zeichen setzen.

Ein derartiges Konzert, so der Dirigent, gehöre in die eigentliche liturgische Weihnachtszeit. Das Programm mit Werken von Haydn, Hasse und Vivaldi  hatte  sowohl von der Auswahl als auch von der Qualität der Darbietungen her das Zeug dazu, die zahlreichen Besucher anzusprechen, ja zu begeistern. Unter Kruses Stabführung gab es im akustisch exzellenten Gotteshaus großartige Musikdarbietungen.
Blitzsaubere Intonation
Der Chor, der in Gemeinschaft mit der "Kantorei Herdecke" auftrat, zeigte sich bestens geschult. Blitzsaubere Intonation war insbesondere beim Hauptwerk des Abends, dem "Gloria" von Antonio Vivaldi gefragt. Mit seiner spätbarocken Chromatik   verlangte es den Vokalisten einiges ab. Unter dem souveränen und immer eindeutigen Dirigat von Maestro Kruse meisterte man nicht nur diese Klippen sondern glänzte darüber hinaus auch noch
mit punktgenauen Einsätzen. Von ihrer besten Seite zeigten sich die beiden Solisten Barbara Speth (Sopran) und Dagmar Linde (Alt). Die Dortmunder Sopranistin hatte bei Joseph Haydns Weihnachtskantate "Lauft ihr Hirten allzugleich" einen überzeugenden   Auftritt. Die junge Sängerin erfreute das Auditorium mit ihrer schlanken, lyrisch-unpathetischen Stimmführung.
Großes leistete die Ruhrstädter Altistin beim "Salve Regina" des Frühklassikers Johann Adolf Hasse. Ihr warmes Timbre ließ sie den viel Kondition verlangenden dreisätzigen Marienhymnus in bekannt solider Weise unter die Haut der Besucher   gelangen. Das i-Tüpfelchen des Konzertes kam von den Instrumentalisten des Kammerorchesters Witten. Neben der Begleitung der genannten Werke konnten sie durch die "Serenade", einem hübschen Haydnschen Streichquartettsatz. einen eigenen, ansprechenden   Akzent setzen. - Jürgen Bolte

 

WAZ. 12. Januar 2005

Musik von Haydn und Vivaldi hilft

Klassik in der Kreuzkirche - 1400 Euro für Opfer der Flutkatastrophe gespendet

Ein weihnachtliches Benefizkonzert zu Gunsten der Flutopfer in Südostasien präsentierten der Musikverein, die Kantorei Herdecke und das Kammerorchester Witten am Samstag in der Kreuzkirche mit Werken aus Barock und Klassik.

Dirigent Hermann Kruse, im Musikverein Nachfolger von Thomas Sander, begrüßte die Besucher in der Kirche an der Lutherstraße zu einem „schönen und harmonischen Weihnachtsausklang“ und rief zu Spenden für die Flutopfer in Südostasien  auf.
In Michael Haydns Kantate „Lauft, ihr Hirten, allzu gleich“ fielen die klaren, schwebenden Soprane und die weichen Legato-Phrasierungen der Streicher auf. Hermann Kruses zügige Tempi ließen vor allem in den Kanonteilen die dramatische  Entwicklung des Werkes transparent werden. Die differenzierte Artikulation des Chores unterstrich die dramatische Ausdruckskraft der Kantate ebenso wie Barbara Speths hell timbrierter Sopran, der mit seiner leuchtenden Höhe begeisterte.
Spontanen Applaus erhielt die Serenade aus Joseph Haydns Streichquartett F-Dur, op.3 Nr.5. Zu dem wiegenden Charakter der subtil phrasierten Streichermelodie, den Kruses Dirigat stilsicher herausarbeitete, bildeten die Pizzicati der Begleitstimmen aparte  Klangakzente.
Johann Adolf Hasses „Salve Regina“ gestaltete Dagmar Linde zu einer ergreifenden Bitte. Verhaltene Intensität schwingt in ihrer sonoren Altstimme und verleiht den barocktypischen fallenden Seufzermotiven beschwörenden Charakter. Höhepunkt  des Abends war Antonio Vivaldis „Gloria“ für Sopran, Alt, Chor und Orchester.
Sehr differenziert arbeitete Dirigent Kruse den Kontrast zwischen machtvoll-jubilierenden, durch zügige Tempi geprägten Sätzen und eher verhaltenen, elegisch-klagenden Partien heraus, der den Charakter des Werkes prägt. Die Interpretation  des Kammerorchesters Witten überzeugte sowohl durch präzise Echoeffekte und stilvoll gestaltete Fortspinnungsmotorik als auch durch weiche, melancholische Legati. Besonders hervorzuheben sind die Arie „Domine Deus“, von Barbara Speth  in zartverhaltenen Phrasierungen als inniges Gebet gestaltet, und der Schlusschor, der in ein jubilierendes Lob Gottes einmündet.
Das zahlreich erschienene Publikum dankte den Künstlern mit lang anhaltendem Applaus. An Spenden wurden 1400 Euro gesammelt.  - kfü

 

RN Nr. 247  43. Woche

Bewegendes Requiem

Besinnliches Konzert des Musikvereins

Debussy nannte ihn einmal den "Meister des Anmutigen". Trotzdem hat Gabriel Fauré nie den gleichen internationalen Bekanntheitsgrad erreicht.

Eines seiner Werke, das Requiem, allerdings schon: komponiert nach dem Tod seines Vaters gilt dieses Werk noch heute als eines der schönsten der französischen Kirchenmusik.
Nicht der Tod, sondern die Hoffnung auf das ewige Leben stehen in diesem "Requiem" im Vordergrund - und dieses wird somit  zum Herzstück des Gedenk-Konzertes "in recordationem memoriamque - sechzig Jahre Frieden", zu dem der Wittener Musikverein zusammen  mit der Kantorei Herdecke und Mitgliedern der Bochumer Symphoniker unter der Leitung von Hermann Kruse einlud.
Wittens Chöre gelten seit langem als Geheimtipp. Nicht verwunderlich also, dass die Johanniskirche anlässlich dieses Ereignisses voll besetzt war. Mit den ergreifenden, wunderschönen Klezmer-Klängen von "Mazl Tov Shver und Shviger" eröffnet  die Violistin Viola Thönniß von der Empore das Konzert. Hermann Kruse lässt die Ergriffenheit und Schwermut nicht abreißen, er schließt das "Gebet des Maximilian" von Domenique Probst an und das warme, volle Timbre von Bariton Martin Backhaus  erfüllt die Johanniskirche.
Der Chorleiter hält seine Sänger zur Besinnlichkeit an. Den "137. Psalm" von Liszt legt er fast etwas zu besinnlich an, kostet betont jede Pause aus, fordert von Chor und Sopranistin Felicia Friedrich volle Konzentration und feinste Nuancierung.  Feinsinnigkeit, Empfindsamkeit und Präzision bestimmen das Konzert - Hermann Kruse verlässt diesen Weg nicht.

Zarter Ausklang

Gezügelte Expressivität unterstreicht den sakralen Charakter des "Requiems" und steigert sich schließlich im "Hosianna" zum ergreifenden Höhepunkt des Konzerts. Hermann Kruse lässt die warme Klangfülle seines Chores mit dem Orchester  und den beiden Solisten zu einer bewegenden, harmonischen Interpretation des Requiems verschmelzen und das Konzert  zart und bedächtig ausklingen. Einen besinnlicheren Weg, dem Kriegsende zu gedenken, kann man sich kaum vorstellen.

(Marie-Luise Vorberg)

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